Archiv100 Prozent Barrierefreiheit bei der BVG Busflotte
Der Begriff Omnibus kommt aus dem Lateinischen und heißt "für alle".
Ab 13. Dezember gewinnt dieser Begriff in Berlin eine ganz neue Bedeutung, denn dann sind BVG-Busse tatsächlich für alle da. Nachdem die letzten Fahrzeuge mit hohem Wagenboden in den Ruhestand geschickt wurden, ist die Busflotte der BVG zu 100 Prozent niederflurig unterwegs und damit benutzbar für alle mobilitätsbehinderten Fahrgäste - ein Meilenstein in der Geschichte des Berliner ÖPNV.
Die BVG ist das erste deutsche Nahverkehrsunternehmen dieser Größenordnung mit einer 100 Prozent barrierefreien Busflotte.
Heute nutzen viele Rollstuhlfahrer ganz selbstverständlich die großen Gelben - vor 25 Jahren noch undenkbar. Mit der Beschaffung der ersten 65 Doppeldecker vom Typ MAN D88 begann 1988 die Entwicklung zur barrierefreien Flotte. Sie galten mit ihrer vergrößerten Plattform gegenüber der Mitteltür und einem zweiten Kinderwagenstellplatz immerhin schon als behindertenfreundlich. Wenig später kamen die ersten "echten" behindertengerechten Busse - sieben Niederflur-Eindecker von Neoplan mit Hublift oder Rampe an der ersten Tür.
Ab 1991 verstärkten 27 MAN-Eindecker die Busflotte, die über Hublift (an der ersten Tür) und eine elektrische Rampe (an der zweiten Tür) verfügten. Im selben Jahr beförderte die BVG insgesamt 1.100-mal Rollstuhlfahrer auf 19 behindertenfreundlichen und 20 behindertengerechten Buslinien. Ein Jahr später konnten sich mobilitätsbehinderte Fahrgäste über die ersten barrierefreien Gelenkbusse freuen, und 1995 feierte Berlin sogar eine Weltpremiere: den ersten Niederflur-Doppeldecker mit behindertengerechter Ausstattung.
Da sich die Hublifte (nicht nur im Doppeldecker) als relativ störanfällig erwiesen, ersetzten nach und nach einfache, aber gut funktionierende mechanische Klapprampen die Hightech-Lifte - erstmals eingesetzt 1996 in den neuen Mercedes-Gelenkbussen vom Typ GN96. Seit 2000 sind alle Neufahrzeuge ausschließlich mit mechanischen Klapprampen ausgestattet.
Einen weiteren Qualitätssprung in Sachen Barrierefreiheit brachte das Jahr 2005. Für alle mobilitätseingeschränkten Fahrgäste - und das sind nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Gehbehinderte, Eltern mit Kinderwagen oder "Kofferträger" - verstärkten die ersten Fahrzeuge mit zwei Multifunktionsabteilen den Omnibus-Fuhrpark.
In 2009 erledigten in den ersten neun Monaten mehr als 100.000 Passagiere im Rollstuhl ihre Wege mit barrierefreien Bussen. Wenn ab 13. Dezember nicht nur alle 1.300 BVG-Busse, sondern auch die Fahrzeuge der Subunternehmer im Auftrag der BVG zu 100 Prozent barrierefrei unterwegs sind, gehören busfahrende Rollstuhlfahrer endgültig zum Alltag.
Eine Ausnahme allerdings gibt es: auf der Linie 218 verkehrt, neben den modernen Bussen, auch künftig ein historischer Bus der AG Traditionsbus aus den 60er oder 70er Jahren. Er ist dann wirklich der allerletzte nichtbarrierefreie Bus, der für die BVG im Einsatz ist.
Wieder "Blauer Engel" für BVG-Busse
Außerdem erhalten jetzt auch die neuen MAN-Doppeldecker der BVG den "Blauen Engel". Ein Gütesiegel, welches besonders umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen kennzeichnet. Die Doppeldecker ab der Wagennummer 3340 (4. Lieferlos= 104 Busse) sind mit einem Motor nach der EEV-Norm, also der aktuell höchsten Abgasklassifizierung, passend zum Blauen Umweltengel, ausgerüstet.
Um den "Blauen Engel" zu erhalten, müssen auch die folgenden Bedingungen erfüllt werden:
- Motorabgaswerte entsprechen EEV-Normen
- niedrige Geräuschemission innen und außen
- keine Verwendung von ozonschädigenden Stoffen
- geringes Treibhauspotential bei Kältemitteln und Lackierung
- frei von Schwermetallen und weniger als 130 Gramm Lösemittel pro Quadratmeter lackierter Fläche
Im Rahmen der 100 % barrierefreien Busflotte wird der Traditionsbus GmbH Berlin der letzte 1992 an die BVG ausgelieferte Bus vom Typ SD 202 (3967) zur weiteren Vervollständigung ihrer Bussammlung übergeben.
Zeitgleich wurde der letzte Doppeldecker aus der BVG-Eigenproduktion gefertigt. Begonnen wurde die Endfertigung bei der BVG im Dezember 2005. Der erste fertig montierte NEOMAN-Doppeldecker verließ den Busbetriebshof Siegfriedstraße am 27. Januar 2006. Insgesamt wurden 175 Doppeldecker in Lichtenberg gefertigt.
Meldung vom 16.11.2009