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ArchivSenat, BVG und Polizei präsentieren gemeinsame Kampagne zur Zivilcourage: "Deine Waffe gegen Gewalt"

Doppeldecker an einer Haltestelle, Pressemitteilung

Unter dem Motto: "Deine Waffe gegen Gewalt" starten der Berliner Senat, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Berliner Polizei am 9. August 2011 ihre gemeinsame Kampagne. Die Plakatkampagne beginnt zunächst schwerpunktmäßig im U-Bahnbereich und wird bis Ende des Jahres auch auf Großflächen im Stadtbild zu sehen sein.

Die Vorsitzende des Vorstands und Vorstand Betrieb der BVG, Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, betonte bei der Vorstellung, dass die Plakate praktische Hilfestellung geben sollen: "In der einen oder anderen Form taucht das Thema Gewalt im öffentlichen Nahverkehr immer wieder in den Medien auf. Das führt zu einer gewissen Verunsicherung, selbst wenn die wenigsten von uns jemals in eine gefährliche Situation geraten sind. Mit den Plakaten zeigen wir gemeinsam mit der Berliner Polizei und mit Unterstützung des Senats von Berlin, wie jeder Einzelne ganz einfach helfen kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Alleine das Wissen um diese Möglichkeit gibt Selbstvertrauen und Zuversicht. Und parallel dazu setzen wir mit Hochdruck unser Sicherheitskonzept um und bringen mehr und deutlich sichtbareres Personal in Züge und Bahnhöfe."

Der Senator für Inneres und Sport, Dr. Ehrhart Körting, will den Begriff der Zivilcourage wieder neu beleben: "Gewalttätige Übergriffe sind Situationen, die für die meisten Menschen in der Regel ein seltenes Ereignis darstellen. Deswegen sind sie oftmals schnell überfordert, wenn es darum geht, von Gewalt betroffenen Menschen zu helfen. Aber: Die Hilfe gegenüber diesen Menschen geht uns alle an. Zivilcourage zeigen ist nicht schwer. Man muss dazu auch nicht den Helden spielen und sich selbst in Gefahr bringen. Es reicht schon aus, wenn man andere Fahrgäste anspricht mitzuhelfen, die Notrufsäule auf dem U-Bahnhof betätigt oder mit dem Handy die Polizei ruft. Wichtig ist in jedem Fall: Nicht tatenlos zusehen oder sich umdrehen und weggehen.

Die heutige Veranstaltung soll dazu dienen, diesen teilweise vielleicht in Vergessenheit geratenen Wert der Zivilgesellschaft wieder in Erinnerung zu rufen und damit zu verdeutlichen, dass es wichtig ist, nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf andere aufzupassen und zu helfen, wenn andere Menschen sich in Not befinden. Jeder kann mit seinem Mut dazu beitragen, Gewalt zu ächten und ihr entgegen zu treten."

Die Motive der Plakatkampagne zeigen Personen mit abgespreiztem Daumen und Zeigefinger, mit dem man den Notruf auslösen oder auch sein eigenes Handy bedienen kann. Die Botschaft ist einfach: jeder kann helfen, jeder hat "seine Waffe" gegen Gewalt dabei und kann durch sein Handeln dazu beitragen, dass Gewalt verhindert und Gewalttäter schnell gefasst werden. Wie schon am U-Bahnhof Alexanderplatz werden in mehr als 100 U-Bahnhöfen und später auch in Wartehallen, Großmotive zu sehen sein, die auf Notrufsäule, das eigene Handy und andere Sicherheitseinrichtungen hinweisen.

Denn bei unsicheren Situationen oder Auseinandersetzungen kann oft ein erschreckendes Phänomen beobachten werden: obwohl das Opfer nicht allein auf dem Bahnsteig oder Straßenland ist, unternehmen nur sehr wenige Menschen etwas, um zu helfen oder Hilfe zu rufen. Das Wegschauen hat dabei nichts mit Gleichgültigkeit zu tun. Das passiert, weil die meisten von uns in solchen Fällen buchstäblich innerlich erstarren und dann tatsächlich nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen (Zuschauereffekt oder Bystander-Effekt). In einem kampagnenbegleitenden Flyer macht die BVG ihre Fahrgäste mit den Sicherheitseinrichtungen in Fahrzeugen und auf U-Bahnhöfen vertraut und gibt entsprechende Verhaltenstipps.

Der Flyer ist ab sofort über die BVG-Verkaufsstellen erhältlich und wird auch bei BVG-Veranstaltungen verteilt. Der Flyer sowie Informationen zur Kampagne "Deine Waffe gegen Gewalt" sind auch unter www.BVG.de/Zivilcourage abrufbar.

Des Weiteren werden die Informations- und Notrufsäulen in den U-Bahnhöfen mit neuen, einfach erklärenden Piktogrammen umgestaltet – die ersten sind schon am U-Bahnhof Alexanderplatz zu sehen. Die BVG verzichtet hier ganz bewusst auf Texte und erklärt die Funktion nur noch durch Piktogramme, die jetzt auch ganz deutlich darauf hinweisen, dass man bei der Nutzung des Notrufes „live“ von der Sicherheitsleitstelle gesehen und angesprochen wird.

In diesem Zusammenhang werden auch die Hinweise auf die Videoaufzeichnung beim Zugang auf den Bahnhof deutlich vergrößert und auch zusätzlich auf den Fußböden angebracht. Wie der U-Bahnhof Alexanderplatz werden alle 173 U-Bahnhöfe in den nächsten Wochen und Monaten umgerüstet. Bis zum Jahresende soll das U-Bahnnetz dann komplett umgestaltet sein.

Für die Bildredaktionen haben wir unter dem Link www.BVG.de/pk0908 Downloadversionen der Plakatmotive, des Flyers sowie verschiedener Fotos hinterlegt.

Die weiteren Punkte des Maßnahmenpakets Sicherheit sind in der Umsetzung:

Enge Zusammenarbeit mit der Polizei
Seit Mai 2011 stehen ausgewählte U-Bahnhöfe unter Beobach-tung von Sicherheitskräften der BVG und der Landespolizei. Die Einsatzzeiten und -orte werden gemeinsam festgelegt.

Zusätzlicher Einsatz der "Einsatzreserve Polizei"
Durch die Landespolizei werden seit Mai 2011 täglich Beamte der Einsatzreserve nach Maßgabe freier Kapazitäten im Bereich der BVG eingesetzt. Aus Sicht der BVG ist dieses eine hilfreiche und sinnvolle zusätzliche Ergänzung zu den gemeinsamen Streifen.

Sicherheitsleitstelle BVG
Eine Besetzung des Polizeiarbeitsplatzes erfolgt nach Maßgabe der verfügbaren Dienste seit Mai täglich. Ebenfalls seit Mai befindet sich ein zusätzlicher Mitarbeiter der BVG in der Sicherheitsleitstelle, um gezielt Schwerpunktbereiche zu beobachten und möglichst vor Entwicklung einer Straftat zu reagieren.

Zusätzliche Sicherheitsmitarbeiter
Die Ausschreibung für zusätzliche Sicherheitsmitarbeiter im Bereich der BVG befindet sich kurz vor der Veröffentlichung vorbehaltlich der Zustimmung der Interessenvertreter.

Dienstkleidung
In der BVG wird die Einführung einer speziellen Dienstkleidung für die Sicherheitskräfte diskutiert und vorbereitet. Das Design orientiert sich dabei an den im Bundesgebiet schon eingeführten Jacken, z. B. bei der Hamburger und Münchener U-Bahnwache. Somit könnte eine nahezu identische Kleidung für Sicherheitskräfte in den drei größten Nahverkehrsunternehmen Deutschlands eingeführt werden, was einen hohen Wiedererkennungswert, insbesondere für Touristen, darstellen würde.

Direkte Durchsagen auf U-Bahnhöfen durch die Sicherheitsleitstelle
Durch schnelle interne Maßnahmen sind diese Durchsagen schon jetzt möglich.

Ausstattung der Bahnhöfe mit zusätzlicher Videotechnik
Diese 20 U-Bahnhöfe sollen mit zusätzlicher Videotechnik ausgestattet werden:

  • U5: Lichtenberg – Frankfurter Tor
  • U6: Alt-Tegel – Friedrichstraße – Mehringdamm
  • U7: Rathaus Spandau – Fehrbelliner Platz – Möckernbrücke – Johannisthaler Chaussee
  • U8: Schönleinstraße - Hermannplatz – Jannowitzbrücke – Alexanderplatz - Gesundbrunnen
  • U9: Rathaus Steglitz –Kurfürstendamm – Berliner Straße – Zoologischer Garten – Leopoldplatz – Osloer Straße


Die Ausstattung der ersten sechs U-Bahnhöfe befindet sich kurz vor der Umsetzung. Dabei handelt es sich um die U-Bahnhöfe Frankfurter Tor, Alt-Tegel, Friedrichstraße, Johannisthaler Chaussee, Gesundbrunnen und Schönleinstraße. Entsprechende Bauplanungsunterlagen wurden dem Senat übergeben, sodass unmittelbar nach deren Freigabe mit dem Bau begonnen werden kann. Die BVG geht davon aus, diese ersten sechs U-Bahnhöfe bis Jahresende mit zusätzlicher Videoausrüstung ausgestattet zu haben. Die restlichen 14 U-Bahnhöfe folgen in 2012.

Erweiterung 48-Stundenaufzeichnung
Bis spätestens Ende August 2011 sind alle technischen Vor-aussetzungen für eine Erweiterung der Videoaufzeichnungs-dauer von bisher 24 auf dann 48 Stunden in Fahrzeugen und U-Bahnhöfen abgeschlossen. Sollte es zu einer entsprechenden Änderung der gesetzlichen Grundlagen kommen, könnte eine Umstellung innerhalb von drei Monaten nach Gesetzesänderung erfolgt sein.

Ein ganz normaler Tag bei den BVG-Sicherheitsteams am Beispiel des 5. Juli 2011:

In der Sicherheitsleitstelle gingen im Tagesverlauf 384 Notrufe ein. Zusätzlich wurden folgende Meldungen durch die Leitstelle bearbeitet:

  • 11 x hilflose Person
  • 6 x erkrankte Person
  • 2 x Graffiti
  • 2 x Ansammlung von Personen
  • 1 x Streit unter Fahrgästen
  • 1 x suizidgefährdete Person
  • 1 x betriebsfremde Person in Anlagen
  • 1 x Körperverletzung


Insgesamt wurden 16 Videodatensicherungsanträge gestellt. Die sich auf eine Laufzeit von 35,53 Stunden belaufenden Videodaten wurden gesichtet, zugeordnet, auf Trägermedien (DVD bzw. CD) überspielt und geprüft. Der Zeitaufwand dafür betrug 7,37 Stunden.

Einsatzpläne:
An diesem Tag waren in der Zeit von 15:00 – 23:20 Uhr auf den U-Bahnhöfen Alexanderplatz, Friedrichstraße, Hermannstraße, Hermannplatz, Leopoldplatz, Neukölln und Zoologischer Garten sowie auf dem Streckenabschnitt Kottbusser Tor – Hallesches Tor Polizei und BVG gemeinsam im Einsatz.

Der Fremddienstleister Sicherheit / Kontrolle betreute die sechs Schwerpunktbahnhöfe Alexanderplatz, Mehringdamm, Hermannplatz, Berliner Straße, Osloer Straße, Zoologischer Garten rund um die Uhr. Zusätzlich waren circa 100 Sicherheitsmitar-beiter der Fremdfirmen von 06:00 – 22:00 Uhr im Kontrolldienst im gesamten Netz unterwegs. Hinzu kamen 50 Mitarbeiter im Ordnungsdienst und 12 Verkehrsmeister in der Sicherheitsleitstelle der BVG.

Meldung vom 09.08.2011

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