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Die Geschichte der Berliner Verkehrsbetriebe
Die Entstehung des heute größten deutschen kommunalen Nahverkehrsunternehmens
Seit mehr als 75 Jahren fährt die BVG für Berlin. Dabei sind die
einzelnen Verkehrsmittel Bus, Straßenbahn und U-Bahn schon sehr
viel älter. Die Geschichte der BVG ist von äußeren, national- wie
weltpolitischen Einwirkungen geprägt. Sie hat in 75 Jahren
praktisch drei Anfänge erlebt.
Als alles begann
Öffentliche Verkehrsträger kamen in Berlin erstmals gegen Ende des
17. Jahrhunderts auf - als Sänften. Sie fanden bei der Bevölkerung
nur geringen Zuspruch. Zum Scheitern verurteilt war auch der
Fiakerwagen mit Pferdegespann gut 100 Jahre später. Erst im frühen
19. Jahrhundert konnte sich Dank einem königlichen Privileg ein
Droschkenbetrieb durchsetzen.
Innovation durch Technik
Im ausgehenden 19. Jahrhundert, der ersten industriellen Revolution
mit ihrer Fülle moderner Erfindungen, entwickelten sich ganz neue
Perspektiven für den ÖPNV. 1881 nahm die erste elektrische
Straßenbahn in Groß-Lichterfelde den Fahrbetrieb auf. Sie beruhte
auf einer Erfindung von Werner von Siemens. Mit ihr wurde eine
bahnbrechende technische Innovation umgesetzt - Voraussetzung für
die heutige Straßenbahn.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte der Fortschritt bei Bahn
und Omnibus einen neuen Höhepunkt. Jetzt konnte die Pferdestärke
durch Kraft-Omnibusse mit Verbrennungsmotor ersetzt werden. Sie
waren die direkten Vorläufer der heutigen "Großen Gelben". Gegen
Ende der 20-er Jahre begann die Erprobung englischer
Zweistock-Busse. Ihre Modelltypen wurden in rascher Folge
weiterentwickelt. Die neuen Doppeldecker prägten und profilierten
das Berliner Straßenbild. Sie erfreuten sich schnell großer
Beliebtheit.
Mit Dynamik ins Durcheinander
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen die verschiedenen
Verkehrsmittel und Verkehrsgesellschaften in ständigem Wettbewerb.
Einheits- und Kampfpreise trugen zwar zur Erhöhung der
Fahrgastzahlen bei, nicht aber zu einem kostendeckenden Betrieb. So
fehlte es an den erforderlichen Mitteln für den Ausbau neuer Netze.
Die Stadt Berlin und die umliegenden Gemeinden waren gezwungen,
selbst in den Ausbau und Betrieb des ÖPNV zu investieren. Solche
Vielfalt eigenständiger Projekte und Aktivitäten war der
Übersichtlichkeit von Tarifsystem und Linienführungen nicht gerade
zuträglich.
Visionen für Berlin
Vordenker Ernst Reuter
Der Gründungsvater der BVG hat 1928 als Stadtrat für Verkehr und
Versorgungsbetriebe die einheitliche BVG ins Leben gerufen. Am 1.
Januar 1929 nahm sie ihre Arbeit auf: mit einer Zusammenführung der
drei städtischen Verkehrsgesellschaften ABOAG (Omnibus),
Gesellschaft für Elektrische Hoch- und Untergrundbahnen und der
Berliner Straßenbahn-Betriebs-GmbH. Im Vorgriff auf diese Fusion
hatte Reuter schon 1927 die Einführung eines einheitlichen
20-Pfennig-Umsteigefahrscheins bewirkt. Ein frühes Vorbild, das
sich bis heute in Verkehrsverbund-Konzepten bewährt.
Kaum gewonnen, schon zerronnen
Mit der Teilung der Berliner Stadtverwaltung im Jahr 1949 in Ost
und West aber kündigte sich auch die Aufspaltung der BVG an. Ab
1953 waren die bis dahin noch durchgehenden Straßenbahnlinien
unterbrochen. Und mit dem Mauerbau 1961 wurden alle Verbindungen
endgültig gekappt. Damit mutierten die in Ost-Berlin gelegenen
Bahnhöfe der U6 und U8 zu "Geisterbahnhöfen". 1969 wurde in
Ost-Berlin der VEB Kombinat Berliner Verkehrsbetriebe (BVB)
gegründet. Er schloss die Betriebe Straßenbahn/Obus, U-Bahn,
Omnibus, Weiße Flotte und Taxi im Osten Berlins zusammen
Zwei Welten - zwei Wege
In den Jahrzehnten der Teilung verfolgte man in den beiden
Stadthälften ganz unterschiedliche Verkehrskonzepte. Der
West-Berliner Senat verschrieb sich dem Aus- und Umbau zur
autofreundlichen Stadt. Darum musste die Straßenbahn ab Mitte der
50-er Jahre nach und nach neuen Verkehrsmitteln weichen - bis ihr
Betrieb im Oktober 1967 vollständig eingestellt wurde. Dagegen
wurde das U-Bahn-Netz bis in die 80-er Jahre auf mehr als 100
Streckenkilometer ausgebaut. Und die "Großen Gelben" wurden zum
Markenzeichen des Berliner Straßenbildes.
Auch im Ostteil Berlins verfolgte man zunächst die Vision von der
autofreundlichen Stadt. So wurde auch dort der Straßenbahnverkehr
in vielen Innenstadtbereichen eingestellt. Die Tram blieb aber
immer integraler Bestandteil des Ost-Berliner Verkehrsnetzes. In
den 70-er Jahren wurde sie sogar wieder verstärkt ausgebaut. Der
Ost-Teil Berlins verfügte über den größten Teil des S-Bahn-Netzes,
aber nur über zwei U-Bahn-Linien.
Mit Elan und neuen Linien
Nach der Maueröffnung im Herbst 1989 stand man nun plötzlich vor
der enormen Herausforderung, zwei seit Jahrzehnten zerrissene
Verkehrsnetze wieder zusammenzufügen. Mit Berliner Zielstrebigkeit
wurde sie bewältigt: In den ersten Wochen durch schnelle, flexible
Busverbindungen. Schon wenige Tage nach der Maueröffnung wurden
auch die ersten "Geisterbahnhöfe" wieder in Betrieb genommen. Alles
Weitere ist Planung, Investition und Ausbau.
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