Die Geschichte des Berliner Straßenbahn-Verkehrs
Von der Pferde-Eisenbahn zur elektrischen Straßenbahn
Die erste Pferde-Straßenbahn Deutschlands verkehrte am 22. Juni 1865 zwischen Brandenburger Tor und Charlottenburg. Das war die Geburtsstunde der Berliner Straßenbahn. Heute befördert die Straßenbahn ca. 470.000 Fahrgäste täglich.
Gründung
Nach der Geburtsstunde der Straßenbahn in Berlin ließ sich der Fortschritt nicht aufhalten. Die Strecke verlief vom damaligen Betriebshof (heute Spandauer Damm 68 bis 76) über die Charlottenburger Chaussee (heute Straße des 17. Juni) bis zum Brandenburger Tor.
Im Jahr 1866 beförderte die Pferde-Eisenbahn 960.000 Personen.
Auf Grundlage der weltweit ersten, von Werner von Siemens entwickelten, elektrischen Straßenbahn, die 1881 in Berlin-Lichterfelde verkehrte, wurden bis 1902 alle Berliner Pferde-Eisenbahnlinien elektrifiziert.
Am 13. Dezember 1920 wurde die "Berliner Straßenbahn" gegründet. Die Inflation im Anschluss an den ersten Weltkrieg brachte den Verkehrsbetrieb in arge Schwierigkeiten. Die Straßenbahn musste wirtschaftlicher werden, darum vereinigten die Stadtväter am 1. Januar 1929 Straßenbahn, Bus und U-Bahn unter dem Dach der "Berliner-Verkehrs-Aktiengesellschaft". Die BVG war geboren.
Wiederaufbau und Teilung
Nach dem zweiten Weltkrieg lag auch die Straßenbahn in Trümmern. Nach nur drei Wochen - am 20. Mai 1945 - fuhr bereits die erste Linie in Berlin wieder.
Mit der deutschen Teilung trennten sich auch die Netze der Berliner Straßenbahn. Bis Januar 1953 betrieben die BVG und die spätere BVB im Ostteil der Stadt sechs Linien gemeinsam.
Der West-Berliner Senat entschied sich Anfang der 50er Jahre für den Ausbau des U-Bahn- und Bus-Betriebs und damit gegen die Straßenbahn. Die letzte Straßenbahn der Linie 55 ging am 2. Oktober 1967 auf Abschiedsfahrt.
Im Ostteil setzten die Verantwortlichen dagegen auf die Erweiterung der Straßenbahn und begannen schon 1950 mit der Modernisierung des Wagenparks.
Wende und Wiedervereinigung
Nach der Wende war das Straßenbahnnetz in einem stark erneuerungsbedürftigen Zustand.
Im Straßenbahnkonzept des Jahres 1993 stellte der Senat Grundsätze bezüglich Ausbau und Modernisierung der Straßenbahn auf. Damit wurden die Grundlagen für die zukünftige Entwicklung der Straßenbahn in Berlin geschaffen.
Langfristig wurde ein hundertprozentiger Niederflurstraßenbahnbetrieb angestrebt.
Das aufgestellte Ziel der Erweiterung des Straßenbahnnetzes umfasste den Wiederanschluss des alten Berliner Zentrums im Bezirk Mitte, die Verdichtung des Netzes in den Innenstadtbezirken, die Anbindung der Straßenbahn an Fern- und Regionalbahn, sowie S- und U- Bahn, die Ausdehnung in westliche Bezirke und die Anbindung neuer Wohn- und Gewerbegebiete. Die Modernisierung des Straßenbahnnetzes umfasste die Modernisierung der Betriebshöfe, der Fahrwege, der Haltestellen und der elektrotechnischen Anlagen.
Seit Januar 1994 ist die BVG eine Anstalt des öffentlichen Rechts und damit in einem bestimmten Rahmen unabhängig vom Land Berlin handlungsfähig.
Modernisierung und Neubeschaffung
Die Anzahl der Straßenbahnfahrzeuge wurde seit der Wende kontinuierlich reduziert. Zugleich erfolgte eine Modernisierung des Fahrzeugparks. In den Jahren 1993 bis 1997 wurden die Tatra-Hochflurfahrzeugen modernisiert. Dies umfasste die Triebwagen T6A2 und die Beiwagen B6A2 sowie die Gelenktriebwagen KT4D und KT4Dt. Zudem erfolgte eine Neubeschaffung von Niederflurstraßenbahnfahrzeugen.
Am 26. August 1994 konnte der erste Niederflurgelenktriebwagen GT6N an die BVG übergeben werden. Der sechsachsige Doppelgelenktriebwagen basiert auf einem Bremer Prototyp der MAN GGH aus dem Jahr 1990, dem ersten zu 100 Prozent niederflurig ausgeführten Gelenktriebwagen der Welt.
Nachdem zunächst die Fahrzeuge in Einrichtungsausführung in Betrieb genommen wurden, erfolgte von 1999 bis 2002 die Beschaffung von Fahrzeugen in Zweirichtungsausführung GT6N-ZR. Am 2. Juni 1996 wurden die alten Reko-Wagen der Straßenbahn außer Betrieb genommen, welche die Anforderungen eines modernen Straßenbahnbetriebs nicht mehr erfüllten.
Ausbau
Aus den Plänen für die Reaktivierung der Straßenbahn im Westteil der Stadt wurde die Idee für eine neue Strecke von der Björnsonstraße über die Bornholmer Straße bis zur Seestraße geboren. Schließlich erreichte die Straßenbahn am 14. Oktober 1995 erstmalig seit 1967 wieder das alte West-Berlin.
Der erste Bauabschnitt der neuen Strecke führt von Prenzlauer Berg über die Bösebrücke am S-Bahnhof Bornholmer Straße bis nach Wedding zum Louise-Schroeder-Platz. Am 25. Oktober 1997 erfolgte die Verlängerung durch die Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes der Neubaustrecke. Dieser führt vom Louise-Schroeder-Platz entlang der Seestraße bis zum Eckernförder Platz, die Endhaltestelle liegt am Virchow-Klinikum.
Die Inbetriebnahme des neuen Streckenabschnitts von der Friedrichstraße zur Dorotheenstraße erfolgte am 20. Dezember 1997. Dies führte auch zur Verbesserung der Umsteigesituation, da die Haltestelle am Bahnhof Friedrichstraße im Umsteigebereich zu S- und U-Bahn sowie Bus liegt. Am Endpunkt der neuen Strecke halten die Straßenbahnen in der Wendeschleife Am Kupfergraben in der Nähe der Humboldt-Universität und der Museumsinsel.
Am 18. Dezember 1998 wurde die Straßenbahn über den Alexanderplatz wieder in Betrieb genommen. Erstmalig in Berlin gab es nun Straßenbahnverkehr in einem Fußgängerbereich. Der neue Streckenabschnitt führt von der Kreuzung Mollstraße/Otto-Braun-Straße kommend über den Alexanderplatz bis zum S-Bahnhof Hackescher Markt. Ein bequemes Umsteigen zur U-Bahn, S-Bahn sowie zur Regionalbahn wird durch den Halt am U-Bahnhof Alexanderplatz und am Bahnhofsgebäude des S- und U-Bahnhofs Alexanderplatz ermöglicht. Die Situation ist jedoch nicht unbekannt, bis 1967 war der Platz schon einmal wichtigster Knotenpunkt der Berliner Straßenbahn.
Im Jahr 2000 wurden drei neue Streckenabschnitte in Friedrichshain, Pankow und Köpenick in Betrieb genommen. Am 28.Mai 2000 erfolgte die Eröffnung in der Warschauer Straße. Für eine bessere Anbindung wurde die Strecke von der bisherigen Endhaltestelle Revaler Straße über den S-Bahnhof Warschauer Straße direkt bis an den gleichnamigen U-Bahnhof verlängert. Da hier kein Platz für eine Wendeschleife bestand, wurde ein stumpf endendes Gleis eingerichtet, welches nur mit Zweirichtungsfahrzeugen betrieben werden kann.
Am 29. September 2000 erfolgte die Eröffnung in Französisch Buchholz, hier wurde die Strecke von der bisherigen Endstation Französisch Buchholz Kirche bis zur Guyotstraße weitergeführt. Dadurch wurden die dort errichteten Neubaugebiete an das Netz angeschlossen.
Am 29. November 2000 wurde der Abschnitt in der Müggelheimer Straße eröffnet, hier erfolgte die Stilllegung des Streckenabschnitts Grünstraße und der Neubau in der Müggelheimer Straße vom Schlossplatz bis Müggelheimer Straße/Kietzer Straße.
Eine Angebotsoptimierung und die Einführung des Metrolinienkonzeptes bei der Straßenbahn wurden im Dezember 2004 durchgeführt.
Am 28. Mai 2006 folgte die Inbetriebnahme der zweiten Strecke im alten Westteil der Stadt. Sie führt von der Eberswalder Straße entlang der Bernauer Straße im Wedding zum S-Bahnhof Nordbahnhof an der Invalidenstraße in Mitte.
Die zweite wichtige Anbindung der Straßenbahn an den Alexanderplatz wurde am 30. Mai 2007 in Betrieb genommen. Die Neubaustrecke führt vom Prenzlauer Tor über die Karl-Liebknecht-Straße zur Dircksenstraße am Alexanderplatz. Die bisher genutzte Strecke zum Hackeschen Markt in der Alten und Neuen Schönhauser Straße wird seitdem nicht mehr im Linienverkehr betrieben, aber weiterhin als Betriebsstrecke erhalten.
Das Jahr 2008 stand ganz im Zeichen der neuen Fahrzeuggeneration FLEXITY Berlin. Die von Bombardier Transportation im Werk Bautzen gefertigten Vorserienfahrzeuge wurden am 22. September 2008 unter dem Motto "FLEXITY Berlin - Eine für Alle" der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit dem 20. Oktober 2008 befinden sich alle Fahrzeuge im täglichen Fahrgasteinsatz.
29. Juni 2009, stimmte der Aufsichtsrat der BVG der Beschaffung von 99 Straßenbahnen vom Typ „FLEXITY Berlin“ mit einem Investitionsvolumen in Höhe von maximal 305,3 Millionen Euro zu. Mit der neuen Straßenbahn-Generation FLEXITY Berlin sollen Tatrafahrzeuge sukzessive ersetzt werden.
237 Tatrafahrzeuge sind 2009 noch im Betrieb eingesetzt.
Der Ersatz der Tatrafahrzeuge durch die FLEXITY Berlin in Kombination mit dem weiteren Einsatz der heute schon betriebenen Niederflurfahrzeuge des Typs GT6 führt zu Betriebskostensenkungen bei der BVG sowie einer wesentlichen Steigerung der Attraktivität für die Fahrgäste und stellt mittelfristig eine 100 % Barrierefreiheit im Straßenbahnnetz Berlins her.
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