Deine Fragen – Unsere Antworten zum Projekt See-Meile

Wie sieht der Projektzeitplan aus? 
Vor Betriebsstart fanden Testfahrten ohne Fahrgäste statt. Dabei wurden die Strecken in die Fahrzeuge eingelesen und die Begleitpersonen auf die Streckenführungen vorbereitet. Der Fahrgastbetrieb begann im Sommer 2021. Bis Sommer 2022 können Interessierte die Fahrzeuge täglich kostenlos nutzen.

Welche Fahrzeuge werden eingesetzt? 
Im Rahmen des Projektes werden Fahrzeuge des Hersteller EasyMile, Modell EZ 10 Gen3, eingesetzt. Es handelt sich bei den Fahrzeugen um hochautomatisierte Kleinbusse. Die Fahrzeuge können noch nicht alle Verkehrssituationen selbstständig bewältigen (Ausweichen von Hindernissen, Überholvorgänge) und fahren auf einem „angelernten“ (programmierten) Weg. Dieser Weg kann nur im manuellen Modus, das heißt, von der Fahrzeugbegleitperson gesteuert, verlassen werden. Während des Projektes fahren die Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von maximal 15 km/h. Die Fahrzeuge bieten jeweils Sitzplätze für sechs Personen und sind rollstuhlgerecht (Ausstattung mit automatischen Rampen und Verankerungsvorrichtungen für Rollstühle). Auch ein Kinderwagen kann mitgenommen werden. Der Innenraum der Fahrzeuge ist stufenlos und klimatisiert bzw. beheizbar. An Bord der Fahrzeuge befindet sich in jedem Shuttle zu jeder Zeit eine Begleitperson, um den Betriebsablauf sicherzustellen und bei Bedarf einzugreifen oder mobilitätseingeschränkten Fahrgästen zu helfen. In den Fahrzeugen erfolgen Haltestellenansagen und die jeweilig Strecke und Haltestellen werden auf Bildschirmen im Fahrzeug abgebildet. Die Kleinbusse verfügen außerdem über ein Acoustic Vehicle Alert System (kurz AVAS, „Fahrzeug-Warngeräusch-Generator“). Dies ist ein akustisches Warnsystem für geräuscharme Fahrzeuge, insbesondere für Elektrofahrzeuge. Dabei wird ein künstliches Geräusch erzeugt, um Verkehrsteilnehmer*innen auf das Fahrzeug aufmerksam zu machen.

Wer ist der Betreiber der Kleinbusse? 
Betreiber der Kleinbusse und der beiden Ringlinien sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Wie wird für die Sicherheit gesorgt? 
Die Fahrzeuge verfügen über mehrere Lidar-Sensoren, die Hindernisse in dem vorgegebenen Bereich erkennen, woraufhin die Fahrzeuge stoppen. Zudem fahren die Fahrzeuge defensiv und reagieren bei jeder potenziellen Gefahrensituation sehr vorsichtig bzw. bremsen ab. Die jeweils in den Fahrzeugen befindliche Begleitperson überwacht außerdem das Fahrzeug und unterstützt bei Bedarf auch Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen. Während der Fahrt müssen alle Fahrgäste einen Sitzplatz einnehmen. Das Stehen während der Fahrt ist nur den Fahrzeugbegleitpersonen erlaubt. Die Tür der Fahrzeuge ist gegen das Einklemmen von Personen und Gegenständen gesichert. Ist dieser Bereich nicht frei, können die Fahrzeuge die Türen nicht schließen und weiterfahren.

Was geschieht nach Ende des Projektes mit den Angeboten/den Kleinbussen? 
Nach Ende des Fahrgastbetriebs werden die Ergebnisse des Forschungsprojekts ausgewertet. Inwiefern die Kleinbusse bzw. das Angebot in Tegel weiter zur Verfügung gestellt werden, hängt von den Erfahrungen innerhalb des Projektes ab. Grundsätzlich sind alle Projektmitglieder daran interessiert, solche Angebote auch längerfristig anzubieten.

Erkennen die Fahrzeuge die Verkehrsschilder? 
Noch erkennen die Fahrzeuge Verkehrszeichen nicht, die Technik entwickelt sich aber beständig weiter. Die genauen Fahrwege, die Verkehrsregeln auf den Strecken und die richtigen Reaktionen auf verschiedene Verkehrssituationen sind in den Fahrzeugen einprogrammiert.

Kann der Betrieb in jeder Wetterlage erfolgen? 
Ein wesentliches Ziel des Testbetriebes ist es, das genaue Verhalten der Technik bei unterschiedlichen Wetterbedingungen zu erproben. Deshalb sollen die Busse in der Projektlaufzeit auch bei jedem Wetter fahren.

Können die Fahrzeuge vom Weg abkommen? 
Die Fahrwege werden vor Betriebsaufnahme im Fahrzeugrechner einprogrammiert, insofern können die Fahrzeuge nicht vom Weg abweichen. In diesem Zuge wird den Fahrzeugen vorgegeben, wie sie sich entlang der zu befahrenden Wege verhalten sollen. Bei auftretenden Hindernissen bremsen die Fahrzeuge automatisch. Ein weiträumiges Abweichen von der Strecke zur Hindernisumfahrung können die Fahrzeuge bisher nicht selbstständig realisieren, daher greift in diesem Fall die Fahrzeugbegleitperson ein.

Dürfen solche Kleinbusse überall fahren? 
Einsätze sind dort möglich, wo die vor Ort herrschenden Rahmenbedingungen den Anforderungen der Straßenverkehrsbehörden für den Einsatz solcher Fahrzeuge genügen und eine Ausnahmegenehmigung erteilt wird. Dabei wird der Einsatz auf öffentlichen Straßen grundsätzlich nur möglich, wenn eine Begleitperson das Fahrzeug jederzeit übernehmen kann.

Haben die Projektmitglieder bereits Erfahrungen mit dem Betrieb von hochautomatisierten Kleinbussen? 
Die BVG hat im Rahmen des Projekts STIMULATE von 2018 bis 2021 insgesamt vier hochautomatisierte Kleinbusse an den Standorten der Charité in Mitte und dem Virchow-Klinikum betrieben. Von August 2020 bis April 2021 wurde der Betrieb mit zwei hochautomatisierten Kleinbussen der Firma EasyMile ausschließlich an dem Standort Virchow-Klinikum weiterbetrieben, der Betrieb auf dem Campus Mitte wurde eingestellt. Die BVG hat außerdem von 2019 bis 2020 mit einem EasyMile-Fahrzeug die See-Meile in Alt-Tegel betrieben.

Weshalb testet die BVG hochautomatiserte Kleinbusse? 
Die BVG setzt hochautomatisierte Kleinbusse in verschiedenen Projekten ein, um die Technologie zu testen und deren Weiterentwicklung zu forcieren. Zudem sollen Berlinerinnen und Berliner an diese neue Mobilitätsform herangeführt werden. Ziel ist es, hochautomatisierte Kleinbusse zukünftig flächendeckend einzusetzen, um das Problem der ersten/letzten Meile zu lösen und Quartiere im Berliner Randgebiet zu erschließen. Somit kann Berlinerinnen und Berlinern ein verbesserter Anschluss zum bestehenden ÖPNV angeboten werden.

Wie wird die Öffentlichkeit einbezogen? Gibt es wieder eine Umfrage? 
Im Rahmen einer Akzeptanzuntersuchung führt die Technische Universität (TU) Berlin vor Ort eine Fahrgastbefragung (im bzw. außerhalb der Fahrzeuge) durch. Bei der Erprobung von hochautomatisierten Kleinbussen werden verschiedene Nutzer*innengruppen und deren spezifische Erwartungen an die Technologie betrachtet. Dabei wird neben Fragen der Nutzungsfreundlichkeit auch die Akzeptanz von Nutzer*innen, Anwohner*innen und weiteren Interessengruppen bzgl. des Angebotes von hochautomatisierten Kleinbussen analysiert. Darüber hinaus will das Land Berlin dem Anspruch einer qualitativ hochwertigen Bürger*innenbeteiligung gerecht werden und nutzt dafür den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern u. a. in Form einer Bürger*innenkonferenz, die Handlungsempfehlungen für diese zentrale politisch-technische Zukunftsfrage erarbeiten soll. Die breite Öffentlichkeit wird über Informations- und Austauschforen einbezogen. Vor dem Hintergrund des Einsatzes entsprechender Flotten in anderen Einsatzszenarien widmen sich begleitende Projektwerkstätten der Frage nach der Optimierung des Mobilitätssystems im Land Berlin und dessen sinnvoller Skalierung auf weitere Gebiete.