D wie Dora – D wie Demokratie

Meldung aus dem Archiv vom 30.03.2017

D wie Dora – D wie Demokratie

D wie Dora – D wie Demokratie
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„Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer.“ Das Zitat des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt prangt auf zwei Triebwagen der Baureihe D („Dora“) aus dem Jahr 1956, und im Innenraum der historischen Wagen hängen in den eigentlich für Werbung vorgesehenen Rahmen und an den Trennwänden mehr als 20 Fotos und kurze Texte, die auf die vergangenen 99 Jahre deutscher Geschichte eingehen.

Auf allen Fotos ist das Reichstagsgebäude zu sehen, in dem seit 1999 auch der Plenarsaal des deutschen Bundestages beheimatet ist. Daher war es nur konsequent, dass der Präsident des Bundestages, Dr. Norbert Lammert, die Ausstellung eröffnete. „Das Brandt-Zitat verdeutlicht ganz besonders, dass die Demokratie, die wir für selbstverständlich halten, eine besonders fragile Staatsform ist“, sagte er. Er nannte die Ausstellung einen „Crashkurs mit den wichtigsten Stationen der deutschen Demokratie“.

BVG-Chefin Dr. Sigrid Evelyn Nikutta ergänzte: „Wir haben die Doras im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Museum geholt und sie für knapp zwei Millionen Euro einer Frischekur unterzogen“. Die Wagen wurden mit modernen Zugzielanzeigern, Videoanlagen und neuen Türöffnern ausgestattet. Die Lampen, Wandpaneele in Holzoptik und die grünen Kunstledersitzbezüge blieben aber im Look der 1950er-Jahre erhalten.

Am vergangenen Wochenende waren vier „Doras“ in einer spektakulären Aktion am Hauptbahnhof von Tiefladern in die kurze Linie U55 eingehoben worden und wurden auf ihren Einsatz vorbereitet. Mindestens bis zur 2020 geplanten Durchbindung mit der U5 soll die Ausstellung zu sehen sein. Auf die Scheiben wurde statt des Brandenburger Tores eine Zeichnung des Reichstagsgebäudes als Scratching-Schutzfolie aufgebracht.

Auf den Bildern der Ausstellung sind wichtige historische Stationen der deutschen Geschichte zu sehen, die etwas mit dem Reichstagsgebäude zu tun haben: Von der Ausrufung der Republik im Jahr 1918 über den Reichstagsbrand 1933, das Kriegsende 1945, den Fall der Mauer 1989, die Reichstagsverhüllung durch das Künstlerpaar Jeanne-Claude und Christo 1995 bis zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009. Aber auch Alltagsszenen wie die Amateur-Fußballspieler, die in den 1980er-Jahren regelmäßig auf der Wiese vorm Reichstagsgebäude kickten.

Mehr Informationen zur Ausstellung und eine Bildergalerie von der Einhebung der Dora-Wagen finden Sie hier.
 

Meldung aus dem Archiv vom 30.03.2017